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Einführung & Orientierung

Was ist die Modulare Truppausbildung (MTA)?

Die Modulare Truppausbildung (MTA) ist seit 2014 die standardisierte Grundausbildung für alle Feuerwehrangehörigen in Bayern. Sie ersetzt die frühere Truppmann-Ausbildung und ist Voraussetzung für alle weiterführenden Lehrgänge.

Zweck der MTA

Ziel

Die MTA soll dich befähigen, im Einsatz unter Anleitung als Truppmann oder Truppfrau zu arbeiten. Du lernst die Grundlagen, um bei Bränden, technischen Hilfeleistungen und anderen Einsätzen sicher und effektiv zu helfen.

Aufbau der MTA

Die MTA besteht aus zwei Teilen (Basis 1 und Basis 2) und umfasst insgesamt ca. 80-100 Stunden:

Modul Dauer Inhalt Prüfung
Basis 1 ca. 80 Stunden Grundlagen, Theorie & Praxis Schriftlich + Praktisch
Basis 2 ca. 20 Stunden (auf 2 Jahre verteilt) Vertiefung, Übungen im Dienstbetrieb Keine separate Prüfung

Zeitrahmen

  • Basis 1: Meist als Kompaktlehrgang (2-3 Wochen) oder über mehrere Monate verteilt
  • Basis 2: Parallel zum normalen Übungsdienst über 2 Jahre

Ablauf Basis 1

graph LR
    A[Theorie: Brennen & Löschen] --> B[Theorie: Gerätekunde]
    B --> C[Theorie: Recht & Sicherheit]
    C --> D[Praxis: Knoten & Stiche]
    D --> E[Praxis: Löschübungen]
    E --> F[Praxis: Technische Hilfeleistung]
    F --> G[Schriftliche Prüfung]
    G --> H[Praktische Prüfung]
    H --> I[Abschluss Basis 1]

Prüfungen

Schriftliche Prüfung:

  • Multiple-Choice-Fragen
  • Dauer: ca. 45-60 Minuten
  • Themen: Theorie aus Basis 1

Praktische Prüfung:

  • Knoten und Stiche
  • Gerätehandhabung
  • Löscheinsatz oder technische Hilfeleistung
  • Arbeiten im Trupp

Bestehensgrenze

  • Schriftlich: mindestens 50% richtig
  • Praktisch: alle Aufgaben müssen sicher beherrscht werden

Organisation der Freiwilligen Feuerwehr in Bayern

Hierarchie und Struktur

Die Feuerwehr in Bayern ist hierarchisch organisiert:

Landesfeuerwehrverband Bayern (LFV)
    ↓
Bezirksfeuerwehrverband (BFV)
    ↓
Kreisfeuerwehrverband (KFV)
    ↓
Freiwillige Feuerwehr Goldkronach
    ↓
Gruppen / Züge
    ↓
Trupps (2 Personen)

Ebenen im Detail

1. Landesebene

  • Landesfeuerwehrverband Bayern (LFV)
  • Vertritt alle Feuerwehren in Bayern
  • Erstellt Ausbildungsrichtlinien
  • Organisiert Landeswettbewerbe

2. Bezirksebene

  • Bezirksfeuerwehrverband (BFV)
  • Goldkronach gehört zum Bezirk Oberfranken
  • Koordiniert größere Einsätze

3. Kreisebene

  • Kreisfeuerwehrverband (KFV)
  • Goldkronach gehört zum Landkreis Bayreuth
  • Kreisbrandrat (KBR): oberster Feuerwehrmann im Landkreis
  • Kreisbrandinspektor (KBI): Stellvertreter
  • Organisiert MTA-Lehrgänge auf Kreisebene

4. Gemeindeebene

  • Freiwillige Feuerwehr Goldkronach
  • Eigenständige Organisation
  • Zuständig für Einsätze im Gemeindegebiet

Rollen in der Feuerwehr

Kommandant

  • Leiter der Feuerwehr vor Ort
  • Verantwortlich für Ausbildung, Einsätze, Organisation
  • Wird von den Mitgliedern gewählt

Beispiel: Der Kommandant plant den Übungsplan, bestellt neue Geräte und führt große Einsätze.

Stellvertretender Kommandant

  • Unterstützt den Kommandant
  • Vertritt ihn bei Abwesenheit

Gruppenführer

  • Leitet eine Gruppe (9 Personen: 1 Gruppenführer + 2 Trupps à 4 Personen)
  • Kommandiert im Einsatz die Gruppe

Beispiel: Bei einem Wohnungsbrand teilt der Gruppenführer die Aufgaben ein: „Angriffstrupp zur Menschenrettung vor, Wassertrupp Wasserversorgung sicherstellen!"

Truppführer

  • Leitet einen Trupp (2 Personen)
  • Arbeitet eigenverantwortlich an Teilaufgaben

Beispiel: Der Truppführer des Angriffstrupps führt seinen Truppmann ins brennende Gebäude.

Truppmann / Truppfrau

  • Unterstützt den Truppführer
  • Führt Anweisungen aus
  • Das bist du nach der MTA!

Beispiel: Der Truppmann trägt das Strahlrohr, während der Truppführer die Richtung vorgibt.

Funktionen im Einsatz

Grundstruktur: Der Trupp

Ein Trupp besteht immer aus 2 Personen:

  • Truppführer (erfahrener)
  • Truppmann (weniger erfahren)

Niemals allein!

In der Feuerwehr arbeitet man niemals allein. Der Trupp ist die kleinste Einheit und sichert sich gegenseitig ab.

Die Gruppe (9 Personen)

Eine Gruppe besteht aus:

  1. Gruppenführer (1)
  2. Angriffstrupp (2): Geht direkt ins Feuer / zur Einsatzstelle
  3. Wassertrupp (2): Sichert Löschwasserversorgung
  4. Schlauchmaterialtrupp (2): Legt Schläuche, unterstützt
  5. Melder (1): Verbindung zur Leitstelle
  6. Maschinist (1): Bedient das Fahrzeug (Pumpe, Aggregate)

Beispiel Einsatz Wohnungsbrand:

Gruppenführer: "Angriffstrupp zur Menschenrettung vor!"
Angriffstrupp: Geht mit Atemschutz und C-Rohr ins Haus

Gruppenführer: "Wassertrupp Wasserversorgung vom Hydranten!"
Wassertrupp: Legt B-Schläuche vom Hydranten zum Fahrzeug

Gruppenführer: "Schlauchmaterialtrupp unterstützt Angriffstrupp!"
Schlauchmaterialtrupp: Legt weitere Schläuche, bringt Material nach


Typischer Ablauf der Ausbildung

Phase 1: Theoretische Grundlagen (ca. 30-40 Stunden)

  • Rechtsgrundlagen (FwG, UVV)
  • Brennen und Löschen
  • Fahrzeugkunde
  • Gerätekunde
  • Gefahren an der Einsatzstelle
  • Verhalten im Einsatz

Lernmethoden:

  • Präsentationen
  • Videos
  • Gruppenarbeiten
  • Diskussionen

Phase 2: Praktische Ausbildung (ca. 40-50 Stunden)

  • Knoten und Stiche
  • Leitern
  • Schläuche kuppeln und verlegen
  • Löschübungen (mit Wasser, ggf. mit Feuer)
  • Technische Hilfeleistung (Absichern, Retten, Heben)
  • Atemschutz-Gewöhnung
  • Funk

Lernmethoden:

  • Stationsausbildung
  • Übungen in Kleingruppen
  • Reale Szenarien
  • Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung

Phase 3: Prüfungsvorbereitung

  • Zusammenfassung der Theorie
  • Wiederholung Knoten
  • Probeprüfungen

Phase 4: Prüfung

  • Schriftlich (Multiple Choice)
  • Praktisch (Stationen)

Phase 5: Basis 2 (über 2 Jahre)

  • Teilnahme am regulären Übungsdienst
  • Vertiefung der Kenntnisse
  • Einsatznachbesprechungen
  • Spezialisierungen (z. B. Atemschutz, Maschinist)

Unterschied Theorie ↔ Praxis

Theorie

Ziel: Verstehen, warum wir etwas tun

Inhalte:

  • Wie funktioniert Verbrennung?
  • Welche Löschmittel gibt es?
  • Welche Gesetze regeln die Feuerwehr?
  • Wie funktioniert ein Feuerlöscher?

Lernort: Klassenzimmer, Schulungsraum

Prüfung: Schriftlicher Test

Lerntipp

Theorie ist die Basis für sicheres Handeln im Einsatz. Wer versteht, warum etwas gemacht wird, macht es richtig.

Praxis

Ziel: Können, wie wir etwas tun

Inhalte:

  • Knoten binden
  • Schläuche kuppeln
  • Leitern aufstellen
  • Löschübungen durchführen

Lernort: Feuerwehrhaus, Übungsgelände, Straße

Prüfung: Praktische Stationen

Übungstipp

Praxis braucht Wiederholung! Knoten, die du 100-mal gemacht hast, kannst du auch unter Stress.


Beförderungen & Dienstgrade

Nach der MTA kannst du dich weiterbilden und aufsteigen:

Dienstgrad Voraussetzung Funktion
Feuerwehrmann-Anwärter Eintritt in die Feuerwehr -
Feuerwehrmann MTA Basis 1 abgeschlossen Truppmann
Oberfeuerwehrmann 3 Jahre aktiv + Basis 2 Truppmann
Hauptfeuerwehrmann 6 Jahre aktiv Truppmann/Truppführer
Löschmeister Truppführerlehrgang Truppführer
Oberlöschmeister Gruppenführerlehrgang Truppführer
Hauptlöschmeister Gruppenführerlehrgang Gruppenführer
Brandmeister Weitere Lehrgänge Gruppenführer
Oberbrandmeister Zugführerlehrgang Zugführer
Hauptbrandmeister Führungslehrgänge Zugführer
Kommandant Wahl durch die Mannschaft Leiter der Feuerwehr

Wichtig

Dienstgrade sind keine Ränge wie beim Militär, sondern zeigen Erfahrung und Ausbildung. Respekt verdient man sich durch Können, nicht durch Schulterklappen.


Wichtige Prinzipien der Feuerwehr

1. Sicherheit geht vor

Oberste Regel

Eigenschutz vor Fremdschutz! Du kannst niemandem helfen, wenn du selbst verletzt bist.

2. Kameradschaft

Die Feuerwehr funktioniert nur, wenn alle zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen.

3. Freiwilligkeit

In Bayern sind die meisten Feuerwehren freiwillig. Das bedeutet: Du machst das ehrenamtlich, in deiner Freizeit – aus Überzeugung.

4. Politische & religiöse Neutralität

Die Feuerwehr hilft allen Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion oder politischer Einstellung.


Erwartungen an dich

Während der MTA

  • Pünktlichkeit: Sei immer 10 Minuten früher da
  • Mitarbeit: Stelle Fragen, mach mit, lerne aktiv
  • Respekt: Gegenüber Ausbildern und Kameraden
  • Eigeninitiative: Übe zuhause (Knoten!), lies nach

Nach der MTA

  • Übungsdienst: Nimm regelmäßig teil (1-2x pro Monat)
  • Einsätze: Rücke aus, wenn du alarmiert wirst
  • Weiterbildung: Besuche weitere Lehrgänge
  • Kameradschaft: Engagiere dich, hilf mit, pflege das Gemeinschaftsleben

Nächste Schritte

Jetzt weißt du, was die MTA ist und wie die Feuerwehr organisiert ist. Weiter geht's mit:

  1. Begriffe & Abkürzungen – damit du die Feuerwehrsprache verstehst
  2. Theorie: Ziele & Aufgaben – die Grundlagen der Feuerwehr