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Rechtsgrundlagen & Sicherheit

Lernziele

Nach diesem Kapitel kannst du:

  • Die wichtigsten Rechtsgrundlagen der Feuerwehr benennen
  • Die Aufgaben nach BayFwG erklären
  • Unfallverhütungsvorschriften (UVV) kennen
  • Feuerwehr-Dienstvorschriften (FwDV) einordnen
  • Versicherungsschutz und Entschädigung verstehen
  • Wichtige Sicherheitsregeln anwenden

Bayerisches Feuerwehrgesetz (BayFwG)

Was regelt das BayFwG?

Das Bayerische Feuerwehrgesetz ist das zentrale Landesgesetz für alle Feuerwehren in Bayern. Es regelt:

  • Aufgaben der Feuerwehr
  • Organisation (Gemeinde-, Kreis-, Bezirksebene)
  • Rechte und Pflichten der Feuerwehrangehörigen
  • Ausbildung
  • Finanzierung (Gemeinde muss Feuerwehr ausstatten)

Warum wichtig?

Das BayFwG ist die rechtliche Grundlage für deine Arbeit bei der Feuerwehr!


Aufgaben nach BayFwG

Das BayFwG definiert die Aufgaben der Feuerwehr in § 1:

Pflichtaufgaben (MUSS)

  1. Brandschutz (Brände löschen, Brandschutzaufklärung)
  2. Technische Hilfeleistung bei Unglücksfällen (Unfälle, Naturkatastrophen)
  3. Katastrophenschutz (bei größeren Schadensereignissen)

Wichtig

Diese Aufgaben muss die Gemeinde durch die Feuerwehr erfüllen – das ist gesetzlich vorgeschrieben!

Kann-Aufgaben (freiwillig)

  • Ölspurbeseitigung
  • Türöffnung (hilflose Person)
  • Tierrettung
  • Wespennester entfernen
  • Auspumpen von Kellern (nach Unwetter)

Nicht verpflichtend

Die Feuerwehr kann, muss aber nicht. Die Entscheidung liegt bei der Gemeinde oder dem Kommandanten.


Rechte nach BayFwG

Feuerwehrangehörige haben:

  1. Sonderrechte im Straßenverkehr (§ 35 StVO)
  2. Blaul icht und Martinshorn
  3. Befreien von Geschwindigkeitsbegrenzungen
  4. Richtungsanzeigern nicht folgen (Wendemanöver)

!!! warning "Nur auf Einsatzfahrt!" Sonderrechte gelten nur im Einsatz – nicht privat!

  1. Betreten von Grundstücken
  2. Zum Zweck der Brandbekämpfung oder Hilfeleistung
  3. Auch gegen den Willen des Eigentümers

  4. Versicherungsschutz

  5. Gesetzliche Unfallversicherung
  6. Bei Verletzungen im Dienst

  7. Freistellung von der Arbeit

  8. Arbeitgeber muss für Einsätze freistellen
  9. Keine Nachteile für den Arbeitnehmer

Pflichten nach BayFwG

Feuerwehrangehörige sind verpflichtet:

  1. Teilnahme an Übungen und Ausbildung
  2. Regelmäßig (mind. 1-2x pro Monat)
  3. Lehrgänge besuchen

  4. Ausrücken bei Alarm

  5. Wenn möglich und zumutbar
  6. Keine Gefährdung des eigenen Lebens/Gesundheit

  7. Schweigepflicht

  8. Keine Details über Einsätze erzählen (Datenschutz!)
  9. Keine Fotos von Verletzten oder Toten veröffentlichen

  10. Pflegliche Behandlung der Ausrüstung

  11. PSA sauber und funktionsfähig halten
  12. Geräte nach Einsatz reinigen

Unfallverhütungsvorschriften (UVV)

Was sind UVV?

Die Unfallverhütungsvorschriften (auch: DGUV Vorschrift 49) sind Sicherheitsregeln, um Unfälle im Feuerwehrdienst zu verhindern.

Bindend!

UVV sind rechtlich bindend – bei Verstößen drohen Konsequenzen!


Wichtige Regeln aus der UVV

1. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Regel: PSA muss vollständig getragen werden.

Beispiel: Du darfst nicht ohne Helm aufs Fahrzeug steigen oder an der Einsatzstelle arbeiten.

Warum? Ohne Helm riskierst du Kopfverletzungen durch herabfallende Teile.


2. Zweimannregel

Regel: Arbeiten im Gefahrenbereich nur im Trupp (mindestens 2 Personen).

Beispiel: Du darfst nicht allein in ein brennendes Gebäude gehen. Immer mindestens zu zweit!

Warum? Gegenseitige Absicherung. Wenn einer in Not gerät, kann der andere helfen.


3. Absturzsicherung

Regel: Bei Absturzgefahr (> 1 Meter Höhe) muss eine Absturzsicherung angelegt werden.

Beispiel: Arbeit auf Dächern, Leitern – immer mit Feuerwehrhaltegurt und Sicherungsleine.

Warum? Stürze aus der Höhe sind oft tödlich!


4. Sicherer Umgang mit Geräten

Regel: Geräte nur bestimmungsgemäß verwenden, regelmäßig warten.

Beispiel: Motorsäge nur mit Schutzkleidung (Schnittschutzhose!) bedienen.

Warum? Fehlerhafte Bedienung oder defekte Geräte gefährden dich und andere.


5. Verbot von Alkohol und Drogen

Regel: Absolutes Verbot von Alkohol, Drogen und Medikamenten, die die Einsatzfähigkeit beeinträchtigen.

Beispiel: Du darfst nicht nach einem Bier zum Einsatz fahren – auch nicht „nur ein kleines".

Warum? Alkohol mindert Reaktionsfähigkeit und Urteilsvermögen → Lebensgefahr!


6. Atemschutz nur mit Ausbildung und G26

Regel: Atemschutz darf nur tragen, wer:

  • Den Atemschutzlehrgang absolviert hat
  • Die G26-Untersuchung (arbeitsmedizinische Untersuchung) bestanden hat

Beispiel: Du darfst als frischer MTA-Absolvent nicht einfach PA tragen – erst nach Atemschutzlehrgang!

Warum? Atemschutz ist physisch extrem belastend. Ohne Untersuchung riskierst du Gesundheitsschäden.


Feuerwehr-Dienstvorschriften (FwDV)

Was sind FwDV?

Feuerwehr-Dienstvorschriften sind bundesweit einheitliche Regelwerke, die standardisierte Abläufe in der Feuerwehr festlegen.

Warum einheitlich?

Damit Feuerwehren aus verschiedenen Orten bei Großeinsätzen problemlos zusammenarbeiten können!


Wichtige FwDV

FwDV Titel Inhalt
FwDV 1 Grundtätigkeiten Knoten, Stiche, Leitern, Schläuche
FwDV 2 Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr Ausbildungsstruktur (MTA, Lehrgänge)
FwDV 3 Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz Taktik, Truppaufstellung, Befehle
FwDV 7 Atemschutz Regeln für Atemschutzeinsätze
FwDV 10 Tragbare Leitern Umgang, Aufstellung, Sicherheit
FwDV 100 Führung und Leitung Einsatzleitung, Stabsarbeit

Beispiele aus FwDV 3

FwDV 3 regelt die Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz. Hier lernst du:

  • Truppaufstellung (Wer steht wo im Trupp?)
  • Befehle (Wie gibt der Gruppenführer Befehle?)
  • Taktik (Wie geht man an einen Einsatz heran?)

Beispiel: FwDV 3 legt fest, dass der Truppführer immer vorne geht, der Truppmann dahinter. So weiß jeder, wo sein Platz ist.


Versicherungsschutz

Gesetzliche Unfallversicherung

Wer ist versichert? Alle Feuerwehrangehörigen – automatisch, ohne Beitrag!

Was ist versichert?

  • Einsätze
  • Übungen
  • Lehrgänge
  • Hin- und Rückweg (Wohnung ↔ Feuerwehrhaus ↔ Einsatzstelle)

Was übernimmt die Versicherung?

  • Arztkosten
  • Krankenhauskosten
  • Rehabilitation
  • Rente (bei Invalidität)
  • Hinterbliebenenrente (bei Tod)

Kostenlos!

Du musst nichts bezahlen – die Versicherung ist automatisch aktiv!


Was ist NICHT versichert?

  • Private Fahrten (z. B. Einkaufen auf dem Weg zum Feuerwehrhaus)
  • Grobe Fahrlässigkeit (z. B. Alkohol, absichtliche Regelverstöße)
  • Vorsatz (absichtliche Schädigung)

Wichtig

Halte dich an die Regeln (UVV, FwDV), dann bist du versichert!


Entschädigung bei Verdienstausfall

Regelung: Wenn du für einen Einsatz von der Arbeit freigestellt wirst, zahlt die Gemeinde eine Entschädigung an den Arbeitgeber (der zahlt dich weiter).

Beispiel: Du bist 5 Stunden im Einsatz während deiner Arbeitszeit. Dein Arbeitgeber zahlt dein Gehalt weiter, die Gemeinde erstattet ihm die Kosten.


Sicherheitsregeln im Einsatz

1. Eigenschutz vor Fremdschutz

Oberste Regel!

Du kannst niemandem helfen, wenn du selbst verletzt bist!

Beispiel: Wenn das Gebäude einsturzgefährdet ist, gehst du nicht rein – auch wenn du jemanden retten könntest. Warte auf Statiker oder bessere Technik.


2. Zweimannregel

Arbeiten im Gefahrenbereich immer mindestens zu zweit.

Beispiel: Auch „nur kurz ins Haus gucken" machst du niemals allein!


3. Vollständige PSA

Immer vollständige PSA tragen (Stiefel, Hose, Jacke, Helm, Handschuhe, Gurt).

Beispiel: Auch bei „nur Ölspur" trägst du Helm und Handschuhe!


4. Gefahren erkennen (GAMS)

GAMS-Regel:

  • Gefahr erkennen
  • Absperren
  • Menschenrettung
  • Spezialkräfte anfordern

Beispiel: LKW-Unfall mit Chemikalien → G: Gefahrzettel lesen, A: 50m absperren, M: Verletzte retten, S: Gefahrgutzug rufen.


5. Keine Alleingänge

Niemals eigenmächtig handeln!

Beispiel: Du siehst eine offene Tür im brennenden Haus. Warte auf den Befehl des Gruppenführers – geh nicht einfach alleine rein!


6. Bei Gefahr: Rückzug

Wenn die Gefahr zu groß wird → sofortiger Rückzug!

Beispiel: Die Decke knarzt bedenklich → Gruppenführer befiehlt Rückzug → sofort raus, auch wenn das Feuer noch nicht gelöscht ist!


7. Atemschutz nur mit Ausbildung

Niemals ohne Ausbildung unter Atemschutz gehen!

Beispiel: Auch wenn du „nur kurz" in den verrauchten Raum willst – ohne Atemschutzlehrgang und G26 ist das verboten!


8. Einsatzstellenhygiene

Nach dem Einsatz:

  • Hände und Gesicht sofort waschen
  • PSA nicht mit nach Hause nehmen
  • Duschen, sobald möglich

Warum? Ruß und Rauch sind krebserregend!


Gefahren an der Einsatzstelle

Die 4 A-C-E-Regel

Eine Merkhilfe für Gefahren an der Einsatzstelle:

Atemgifte

  • Kohlenmonoxid (CO)
  • Blausäure (HCN)
  • Chlorgas

Schutz: Atemschutz


Ausbreitung

  • Feuer breitet sich aus
  • Rauch breitet sich aus

Schutz: Ständige Lagekontrolle, Rückzugswege sichern


Chemikalien

  • Säuren, Laugen
  • Brennbare Flüssigkeiten
  • Unbekannte Stoffe

Schutz: GAMS-Regel, Spezialkräfte anfordern


Explosion

  • Gasflaschen im Feuer
  • Spraydosen
  • Brennbare Dämpfe (Benzin)

Schutz: Abstand halten, Rückzug


Elektrizität

  • Stromleitungen
  • Elektrische Anlagen
  • Photovoltaik-Anlagen

Schutz: Strom abschalten, Abstand halten (5 Meter bei Hochspannung!)


Einsturz

  • Gebäude, Decken, Wände
  • Bäume
  • Baugerüste

Schutz: Gefahrenbereich meiden, Statiker hinzuziehen


Straßenverkehrsordnung (StVO) für Einsatzfahrten

§ 35 StVO: Sonderrechte

Was darfst du?

  • Von allen Vorschriften der StVO befreien (z. B. Geschwindigkeit, Vorfahrt)
  • Aber: Nur, wenn es die Einsatzlage erfordert!
  • Und: Andere dürfen nicht gefährdet werden!

Vorsicht!

Sonderrechte sind kein Freibrief! Du haftest bei Unfällen, wenn du zu rücksichtslos fährst!


§ 38 StVO: Blaues Blinklicht und Martinshorn

Regel:

  • Blaues Blinklicht allein = Warnung (andere sollen Platz machen)
  • Blaulicht + Martinshorn = Freie Bahn (alle müssen Platz machen)

Beispiel:

  • Fahrt zur Einsatzstelle: Blaulicht + Martinshorn (§ 38)
  • Rückfahrt nach Einsatz: Nur Blaulicht (Warnung, keine Sonderrechte mehr)

Zusammenfassung

Thema Kernaussage
BayFwG Regelt Aufgaben, Rechte, Pflichten der Feuerwehr in Bayern
UVV Unfallverhütungsvorschriften – rechtlich bindende Sicherheitsregeln
FwDV Bundesweit einheitliche Dienstvorschriften (z. B. FwDV 3 für Einsätze)
Versicherung Automatisch versichert bei Einsatz, Übung, Lehrgängen
Eigenschutz Immer vor Fremdschutz!
GAMS Gefahr erkennen, Absperren, Menschenrettung, Spezialkräfte

Quiz: Teste dein Wissen!

1. Welche Aufgaben sind Pflichtaufgaben nach BayFwG?

Antwort: Brandschutz, Technische Hilfeleistung bei Unglücksfällen, Katastrophenschutz

2. Was bedeutet Zweimannregel?

Antwort: Arbeiten im Gefahrenbereich immer mindestens zu zweit (Trupp)

3. Was steht GAMS?

Antwort:

  • Gefahr erkennen
  • Absperren
  • Menschenrettung
  • Spezialkräfte anfordern
4. Wann darfst du Atemschutz tragen?

Antwort: Nur nach Atemschutzlehrgang + bestandener G26-Untersuchung

5. Was ist FwDV 3?

Antwort: Dienstvorschrift für Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz (Taktik, Befehle)

6. Wann gilt Versicherungsschutz?

Antwort: Bei Einsätzen, Übungen, Lehrgängen + Hin- und Rückweg


Checkliste: Habe ich alles verstanden?

  • Ich kenne die Pflichtaufgaben der Feuerwehr nach BayFwG
  • Ich weiß, was UVV sind und kenne wichtige Regeln
  • Ich kenne die wichtigsten FwDV (besonders FwDV 3)
  • Ich weiß, dass ich automatisch versichert bin
  • Ich kenne die Regel "Eigenschutz vor Fremdschutz"
  • Ich weiß, was GAMS bedeutet

Weiterführende Themen