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Ziele, Aufgaben & Werte der Feuerwehr

Lernziele

Nach diesem Kapitel kannst du:

  • Die vier Grundaufgaben der Feuerwehr benennen
  • Den Unterschied zwischen Pflicht- und freiwilligen Aufgaben erklären
  • Die Werte und Prinzipien der Feuerwehr beschreiben
  • Das Motto "Retten, Löschen, Bergen, Schützen" erklären

Die vier Grundaufgaben der Feuerwehr

Die Feuerwehr hat vier Hauptaufgaben, die sich im Motto zusammenfassen:

Grundsatz

Retten – Löschen – Bergen – Schützen

1. Retten

Definition: Menschen und Tiere aus Gefahrensituationen befreien.

Priorität: HÖCHSTE PRIORITÄT! Menschenrettung geht immer vor!

Beispiele:

  • Person aus brennendem Gebäude retten
  • Eingeklemmte Person nach Verkehrsunfall befreien
  • Katze vom Baum holen (ja, wirklich!)
  • Vermisste Person bei Hochwasser retten

Eigenschutz beachten!

Auch bei Menschenrettung gilt: Eigenschutz vor Fremdschutz. Du hilfst niemandem, wenn du selbst verletzt wirst!


2. Löschen

Definition: Brände bekämpfen und ausbreiten verhindern.

Beispiele:

  • Wohnungsbrand löschen
  • Brennendes Auto löschen
  • Waldbrand bekämpfen
  • Brennende Mülltonne löschen

Wichtig:

  • Erst wenn keine Menschenrettung mehr nötig ist, beginnt die Brandbekämpfung
  • Ausbreitung verhindern ist genauso wichtig wie löschen

3. Bergen

Definition: Tote, Tiere oder Sachwerte aus Gefahrenbereichen bringen.

Unterschied zu Retten: Retten = Lebende, Bergen = Tote oder Sachwerte

Beispiele:

  • Verstorbene Person nach Unfall bergen
  • Ausgelaufenes Öl beseitigen
  • Umgestürzte Bäume von der Straße räumen
  • Wrack nach Verkehrsunfall bergen

4. Schützen

Definition: Vorbeugend Gefahren abwehren und Schäden verhindern.

Beispiele:

  • Brandschutzaufklärung (Kindergärten, Schulen besuchen)
  • Brandsicherheitswachen bei Veranstaltungen (Konzerte, Volksfeste)
  • Hochwasserschutz (Sandsäcke legen)
  • Absicherung von Gefahrenstellen (Sturmschäden, Ölspuren)

Pflichtaufgaben vs. Freiwillige Aufgaben

Pflichtaufgaben (Muss)

Die Gemeinde muss die Feuerwehr für folgende Aufgaben vorhalten:

  • Brandbekämpfung
  • Technische Hilfeleistung bei Unglücksfällen (z. B. Verkehrsunfälle)
  • Menschenrettung

Gesetzlich geregelt

Diese Pflichtaufgaben sind im Bayerischen Feuerwehrgesetz (BayFwG) festgelegt.

Freiwillige Aufgaben (Kann)

Die Feuerwehr kann zusätzlich folgende Aufgaben übernehmen:

  • Beseitigung von Ölspuren
  • Türöffnung (z. B. hilflose Person hinter verschlossener Tür)
  • Tierrettung
  • Beseitigung von Wespennes tern
  • Auspumpen überfluteter Keller
  • Katastrophenschutz

Nicht selbstverständlich

Diese Aufgaben sind keine Pflicht. Die Feuerwehr entscheidet selbst (oder die Gemeinde), ob sie diese übernimmt.


Werte und Prinzipien der Feuerwehr

1. Kameradschaft

Was bedeutet das?

  • Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe
  • Vertrauen in den Nebenmann/die Nebenfrau
  • Respekt und Wertschätzung

Warum wichtig? Im Einsatz kann dein Leben von deinem Kameraden abhängen. Nur als Team funktioniert die Feuerwehr.

Beispiel: Bei einem Atemschutzeinsatz sichern sich zwei AGTs gegenseitig ab. Wenn einer in Not gerät, rettet der andere ihn.


2. Hilfsbereitschaft

Was bedeutet das?

  • Anderen Menschen in Not helfen
  • Unabhängig von Herkunft, Religion, sozialem Status
  • Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr

Beispiel: Ob um 3 Uhr nachts, an Weihnachten oder bei strömendem Regen – wenn der Piepser geht, rückst du aus.


3. Freiwilligkeit

Was bedeutet das?

  • Ehrenamtliches Engagement
  • Keine Bezahlung (außer kleine Aufwandsentschädigung)
  • Freizeit opfern für das Gemeinwohl

Warum wichtig? Bayern hat über 7.500 Freiwillige Feuerwehren mit ca. 320.000 Aktiven – ohne Freiwilligkeit würde das System zusammenbrechen.


4. Politische und religiöse Neutralität

Was bedeutet das?

  • Die Feuerwehr hilft allen Menschen gleich
  • Keine Bevorzugung oder Benachteiligung
  • Keine politische Tätigkeit im Dienst

Beispiel: Ob Millionär oder Obdachloser, Christ oder Muslim – alle erhalten die gleiche Hilfe.


5. Verantwortungsbewusstsein

Was bedeutet das?

  • Überlegte, sichere Handlungen
  • Verantwortung für sich selbst und andere
  • Fehler zugeben und aus ihnen lernen

Beispiel: Du stellst fest, dass dein Atemschutzgerät defekt ist. Du meldest es sofort, auch wenn der Einsatz dadurch verzögert wird – Sicherheit geht vor.


6. Disziplin

Was bedeutet das?

  • Befehle befolgen
  • Hierarchie respektieren
  • Regeln und Vorschriften einhalten

Warum wichtig? Im Einsatz gibt es keine Zeit für Diskussionen. Klare Befehle und deren Befolgung retten Leben.

Beispiel: Der Gruppenführer ruft „Rückzug!" – du diskutierst nicht, sondern verlässt sofort die Einsatzstelle.


Rechte und Pflichten

Rechte der Feuerwehr

  • Sonderrechte im Straßenverkehr (Blaulicht, Martinshorn, Vorfahrt)
  • Betreten von Grundstücken im Einsatz
  • Entschädigungsanspruch bei Verletzung (Unfallversicherung)

Nur im Einsatz!

Sonderrechte gelten nur im Einsatz oder auf Einsatzfahrt – nicht privat!

Pflichten der Feuerwehrangehörigen

  • Teilnahme an Ausbildung und Übungen
  • Ausrücken bei Alarm (sofern möglich)
  • Schweigepflicht über Einsätze (Datenschutz!)
  • Erhalt der körperlichen Fitness
  • Pflege der Ausrüstung

Besondere Herausforderungen

Physische Belastung

Was bedeutet das?

  • Schwere körperliche Arbeit: Schläuche tragen (15-20 kg), Leitern aufstellen, Personen retten
  • Hitze: Bis zu 300°C in Brandnähe, auch ohne Feuer hohe Temperaturen durch PSA
  • Lange Einsätze: Manchmal mehrere Stunden ohne Pause

Vorbereitung:

  • Regelmäßiges Fitnesstraining
  • Gesunde Ernährung
  • Ausreichend Schlaf

Psychische Belastung

Was bedeutet das?

  • Stress: Zeitdruck, Verantwortung, Ungewissheit
  • Traumatische Erlebnisse: Schwer verletzte oder tote Personen
  • Schichtdienst (bei Berufsfeuerwehr) oder nächtliche Alarme

Hilfe:

  • Kameradschaft: Gespräche mit erfahrenen Feuerwehrleuten
  • Nachbesprechungen: Einsätze gemeinsam besprechen
  • Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV): Professionelle Hilfe bei belastenden Einsätzen

Es ist okay, über Belastungen zu sprechen!

Du bist kein Held, wenn du Probleme mit dir selbst ausmachst. Suche Hilfe, wenn du sie brauchst!


Einsatzstellenhygiene

Was bedeutet das?

  • Schutz vor Schadstoffen (Ruß, Asbest, Chemikalien)
  • Vermeidung von Krebs (Feuerwehrleute haben erhöhtes Krebsrisiko!)

Maßnahmen:

  • Nach dem Einsatz: Hände und Gesicht sofort waschen
  • PSA reinigen: Nicht mit nach Hause nehmen
  • Schwarzer Bereich: Verschmutzte PSA bleibt im Feuerwehrhaus
  • Duschen: Möglichst bald nach dem Einsatz

Ruß ist krebserregend!

"Schwarzer Mann" ist kein Ehrenabzeichen, sondern gesundheitsgefährdend!


Zusammenfassung

Aspekt Kernaussage
Grundaufgaben Retten – Löschen – Bergen – Schützen
Höchste Priorität Menschenrettung (aber Eigenschutz beachten!)
Werte Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, Neutralität
Herausforderungen Physisch + psychisch belastend
Hygiene Schutz vor Schadstoffen (Ruß, Chemikalien)

Quiz: Teste dein Wissen!

1. Was hat bei der Feuerwehr höchste Priorität?

Antwort: Menschenrettung

Aber: Eigenschutz geht vor Fremdschutz!

2. Nenne die vier Grundaufgaben der Feuerwehr.

Antwort: Retten, Löschen, Bergen, Schützen

3. Was ist der Unterschied zwischen Retten und Bergen?

Antwort:

  • Retten = Lebende Personen/Tiere aus Gefahr befreien
  • Bergen = Tote Personen, Tiere oder Sachwerte aus Gefahrenbereich bringen
4. Warum ist Einsatzstellenhygiene wichtig?

Antwort: Schutz vor krebserregenden Schadstoffen (Ruß, Asbest, Chemikalien)

5. Was bedeutet GAMS?

Antwort:

  • Gefahr erkennen
  • Absperren
  • Menschenrettung
  • Spezialkräfte anfordern

Checkliste: Habe ich alles verstanden?

  • Ich kann die vier Grundaufgaben der Feuerwehr benennen
  • Ich weiß, dass Menschenrettung höchste Priorität hat
  • Ich kenne den Unterschied zwischen Retten und Bergen
  • Ich verstehe, was Eigenschutz vor Fremdschutz bedeutet
  • Ich kenne die wichtigsten Werte der Feuerwehr
  • Ich weiß, dass die Feuerwehr physisch und psychisch belastend ist
  • Ich weiß, warum Einsatzstellenhygiene wichtig ist

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